Russland

Literaturanalyse: Profil von CReLES in Russland

Einführung und Hintergrund

Gemäß Artikel 68 der Verfassung der Russischen Föderation ist die russische Sprache die Staatssprache des gesamten Territoriums der Russischen Föderation und die Unterrichtssprache an Schulen. Es gibt mehrere Artikel im „Gesetz über Sprachen“, die die Verwendung anderer Sprachen an Schulen erlauben. Es ist das Recht aller Bürger*innen der Russischen Föderation

eine allgemeine Bildung (mit Ausnahme der Sekundarschulbildung) in ihrer Muttersprache aus den Sprachen der Völker der Russischen Föderation zu erhalten sowie, diese Sprache im Rahmen der vom Bildungssystem vorgesehenen Sprachen zu studieren (Teil 4, Artikel 14).

Zudem gibt es einige Programme zur Unterstützung der Muttersprache und der persönlichen Entwicklung von Schüler*innen in einem multikulturellen Umfeld. So hat beispielsweise die Republik Kalmückien ein Programm zur Erhaltung und Entwicklung der kalmückischen Sprache sowie zur Erhaltung der ethnischen Kultur an Schulen geschaffen. [3].

Die Russische Föderation definiert die grundlegenden Lehrplananforderungen und die obligatorischen Unterrichtsfächer wie Russisch, Fremdsprachen, Mathematik, Geschichte, Politik und Naturwissenschaften (Teil 5, Artikel 12 des Bundesgesetzes vom 29. Dezember 2012, Nr. 273-ФЗ). Jede Schule gestaltet ihren Lehrplan, der sich an den staatlichen Anforderungen orientiert und einige zusätzliche oder optionale Fächer beinhalten kann. Aus diesem Grund fallen alle Fragen im Zusammenhang mit dem Lehrplan in den Zuständigkeitsbereich der Schulleitung, so zum Beispiel die Umsetzung des Lehrplans, die Beurteilung im Klassenzimmer oder die berufliche Fortbildung der Lehrkräfte. Die Wahl der Unterrichtssprache erfolgt bei der Einschreibung in den Kindergarten sowie auf der 1. und 5. Schulstufe. Gleichzeitig ist das Erlernen der Amtssprachen bestimmter Republiken nicht für alle Schulkinder der Region obligatorisch; die Wahl wird von den Eltern oder gesetzlichen Vertreter*innen der Minderjährigen getroffen. Das russische Bildungssystem verwendet 58 Sprachen; föderale Bildungsprogramme wurden für 13 Landessprachen genehmigt. Gleichzeitig gibt es ein Konzept der „Staatssprachen“ – welche in 22 föderalen Fächern definiert sind. Weitere 36 Sprachen haben den Status als Amtssprachen der Russischen Föderation (gleichzeitig wird Russisch auch als Amtssprache in allen Fächern definiert). Im Bereich der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften gibt es auf nationaler Ebene keine Programme, die sich mit den Themen soziale Inklusion, Mehrsprachigkeit und Multikulturalismus befassen. Es gibt jedoch das Trainingsprogramm „Gestaltung erweiterter Bildungsprogramme für Kinder“, welches in erster Linie dazu dient, pädagogische Methoden in den neuen Fächern zu vermitteln. Obwohl nicht ausdrücklich erwähnt, verfügt dieses Bildungsprogramm über das Potential kulturellen Besonderheiten der Schüler*innen zu berücksichtigen.

Kultursensible Schulleitung im russischen Bildungswesen

Schulleitungen in der Russischen Föderation verbringen wenig mit Lehrplan- und Unterrichtsaufgaben; vielmehr ist der größte Teil ihres Arbeitstages Verwaltungs- und Leitungsaufgaben, einschließlich Besprechungen, dem Verfassen von Berichten und Rückmeldungen auf Anfragen, gewidmet (Lenskaya & Brun, 2016). Gemäß Teil 2, Artikel 26 des Bundesgesetzes vom 29. Dezember 2012, Nr. 273-ФЗ „Über Bildung in der Russischen Föderation“, erfolgt die Leitung einer Bildungseinrichtung auf der Grundlage der Prinzipien der alleinigen Autorität und der Kollegialität. Die Kombination dieser Prinzipien bildet die Grundlage für die Führungspraktiken an allen Schulen. Daher kombiniert der Führungsstil in russischen Schulen hierarchische und beratende Leitungsmodelle. Darüber hinaus hat die Schulleitung in der Regel keine hohe Sichtbarkeit in der lokalen Gemeinschaft, mit Ausnahme von öffentlichen Berichten, die auch auf der Website ihrer Schule veröffentlicht werden. Den Schulleiter*innen stehen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten zur Verfügung, die mit den politischen Erwartungen an ihre Rolle abgestimmt sind. Aus diesem Grund zielen die meisten Trainingsprogramme auf die Entwicklung von administrativen und ökonomischen Managementkompetenzen ab. Bemerkenswert ist jedoch, dass es, ähnlich wie in Irland und Österreich (abgesehen von Masterstudiengängen), keine Informationen über die Entwicklung kultursensibler Führungsqualitäten in beruflichen Fortbildungsprogrammen oder aus anderen Quellen gibt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass innerhalb der Programme “Innovationsmanagement in Bildungsorganisationen” und “Management der Bildungsarbeit in Bildungsorganisationen” ein kulturorientiertes Modul angeboten wird.

Schließlich kommt der Schulberatung eine vielfältige Rolle zu (Absätze 4 und 5, Teil 3, Artikel 28 des Bundesgesetzes), da ihre berufliche Tätigkeit darauf abzielt, das geistige, psychosomatische und soziale Wohlbefinden der Schüler*innen und der Mitarbeiter*innen im Bildungs- und Ausbildungsprozess zu erhalten. Die Berater*innen sollen den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Kindern in Schule und Gemeinde in Übereinstimmung mit der Kinderrechtskonvention fördern und gemeinsam mit der Schulverwaltung an der Planung und Entwicklung von Bildungs- und Erziehungsprogrammen, die individuelle, alters- und geschlechtsspezifische Charakteristika der Schüler*innen berücksichtigen, mitwirken, um so das schulische Umfeld in Bezug auf Schüler*innen mit Migrationshintergrund wesentlich mitzugestalten.

 

[3] Development Programme National-Regional Education System as a condition for sustainable development of the personality of a child with multilingualism and multiculturalism in MBOU October Secondary School named A. Durneva (2017 – 2020)
https://oktabrsk08.kalm.eduru.ru/media/2018/09/21/1219688778/PROGRAMMA_RAZVITIYA_NSO.pdf